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Vom Reichspostmuseum zu den Museen für Kommunikation

Die Sammlungen der Museumsstiftung blicken auf eine über 130-jährige Tradition zurück. Dank der in dieser Zeit zusammengetragenen Objekte besitzen wir heute die größte und reichhaltigste Sammlung zum Thema „Kommunikation“ der Welt. Die oft einzigartigen Schätze wurden unter manchmal schwierigen Bedingungen bewahrt, damit auch künftige Generationen einen authentischen Eindruck von der Kommunikation in der Vergangenheit gewinnen können.


Heinrich von Stephan und das Reichspostmuseum

Das 1872 durch den Generalpostmeister des Deutschen Reichs Heinrich von Stephan gegründete Reichspostmuseum war eines der modernsten Museen seiner Zeit. Jahrzehnte vor Gründung des Deutschen Museums in München war es eines der ersten technikhistorischen Museen der Welt.

Das Reichspostmuseums hatte einen umfassenden Sammlungsanspruch: „(Ein) … Post- und Telegraphenmuseum, dessen Zweck dahin geht: die Entwicklung des Verkehrswesens von den Völkern des Altertums beginnend bis zur neuesten Zeit kulturgeschichtlich zu veranschaulichen (…).“ Zur Erreichung dieses Zieles sammelt es zunächst die bei der Post und Telegraphie gebräuchlichen Gegenstände, Apparate und Modelle; sodann aber auch bildliche Darstellungen (…) und sonstige Erzeugnisse, die sich auf das Schrifttum, das Nachrichtenwesen und die Beförderungseinrichtungen aller Zeiten und Völker beziehen.“

Entsprechend umfangreich und wertvoll war die daraufhin in Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung. Sie beschränkte sich nicht nur auf historische Objekte, vielmehr nutzte die Reichspost das Museum, um die jeweils neuesten Technologien zu präsentieren: Luftpost, Funk, Bildtelegrafie und Fernsehen.

 

Reichspostmuseum, um 1897. Lichthof des Reichspostmuseums Berlin mit Stephan-Denkmal und Luftfahrtabteilung, um 1938.Blick in die Philatelistische Dauerausstellung im Raum 12 des Reichspostmuseums Berlin, 1926. Reichspostmuseum, Postkarte Sammlungssaal mit Briefkästen in der Dauerausstellung des Reichspostmuseums Berlin, 1926. Ansicht des Auslandssaals im Reichspostmuseum Berlin, um 1905.


Der Zweite Weltkrieg

Zu Kriegsbeginn 1939 wurde das Reichspostmuseum geschlossen. Wegen der Bombengefahr wurde ein Teil der Ausstellungsstücke im Keller des Museums untergebracht, die wertvollsten Teile der Sammlungen wurden 1943 ausgelagert. Der größte Teil der ausgelagerten Objekte ging nach Schloss Waltershausen bei Mellrichstadt, das von der Reichspost als Erholungsheim genutzt wurde. Rund die Hälfte der Sammlung verblieb allerdings im Berliner Museumsgebäude.

In den Luftangriffen auf Berlin ab 1943 wurde das Reichspostmuseum schwer beschädigt, ein Übriges taten die heftigen Häuserkämpfe im April/Mai 1945. Zahlreiche der im Haus verbliebenen Sammlungsobjekte wurden vernichtet, ein Teil in den Kellern des Museums verschüttet.


Kriegsverluste

Die kostbarsten Stücke der Briefmarkensammlung – die Schausammlung und der Wandtresor mit der blauen Mauritius – brachte man im Februar/März 1945 nach Eisleben. Dort wurden sie von den einrückenden Amerikanern in zwei Bergwerksschächten beschlagnahmt und in die Westzonen gebracht, bevor sie Thüringen an die sowjetische Besatzungsmacht übergeben mussten.

1949 erhielt die Deutsche Post 232 Kisten mit Briefmarkenbeständen, 41 Postsäcke mit den Büchern der Berliner philatelistischen Bibliothek und 15 Kisten mit Porzellan- bzw. Gipsfiguren zurück. Aber die Sammlung war geplündert worden: 2039 Briefmarken aus 35 Ländern – jeweils die größten philatelistischen Kostbarkeiten – fehlten.

Der größte Verlust war der Raub des Mauritius-Tableaus aus dem Berliner Wandtresor. Es blieb verschollen, bis im Jahre 1976 ein gewisser Daniel E. Sweeney die Marken auf einer Briefmarkenmesse zum Kauf anbot. Der amerikanische Zoll nahm die Marken in Gewahrsam, als sich herausstellte, dass Sweeney, der damals im Range eines 1st Lieutenant bei der US-Army diente, genau jener Offizier war, der den Abtransport der Briefmarken aus dem Eislebener Bergwerk durchgeführt hatte. Da auch die DDR Anspruch auf die Marken erhob, kehrten die Blaue Mauritius und die übrigen sieben Marken erst 1990 – nach der deutschen Wiedervereinigung – in das Archiv für Philatelie zurück.

 

Schloss Waltershausen bei Mellrichstadt, heute Landkreis Rhön-Grabfeld, um 1930 Außenansicht des Dittrich-Schachtes in Eisleben, in dem die Briefmarken des Reichspostmuseums während des 2. Weltkrieges eingelagert waren. Kisten mit Sammlungsgut in einem Lagerraum des Central Collecting Point Wiesbaden im Jahre 1947 Special Agent in Charge Robert J. LaRatta mit den beschlagnahmten Mauritius-Briefmarken im Gebäude des U.S. Customs Service in Philadelphia am 28. September 1977


Neuanfang im Westen

Was von den Sammlungsobjekten nicht in Berlin geblieben war, ging im Juli/August 1943 in mehreren Transporten nach Schloss Waltershausen bei Mellrichstadt. Nach Kriegsende war die amerikanischen Militärregierung für Bayern für Schloss und Bestände verantwortlich.

Vergeblich versuchte die Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen in der sowjetischen Besatzungszone, in deren Sektor sich nun das ehemalige Reichspostmuseum befand, die Sammlung zurückzuerhalten. Stattdessen wurden die Objekte 1947 an die Deutsche Post (West) übergeben, die in Schloss Walterhausen eine „Postarchiv“ genannte Dienststelle einrichtete. Das „Postarchiv“ zog 1951 von Waltershausen nach Frankfurt um, und so wurden die geretteten Bestände des Reichspostmuseums zur Keimzelle des 1958 eröffneten Bundespostmuseums.

 

Innenansicht des Bundespostmuseums in Frankfurt am MainInnenansicht des Bundespostmuseums in Frankfurt am MainInnenansicht des Bundespostmuseums in Frankfurt am MainAusstellungsraum im Bundespostmuseum, 1972Ausstellungsraum im Erdgeschoss des Bundespostmuseums mit Postschlitten, 1972Preußischer Postillion mit Pferd in der Daueraustellung des Bundespostmuseums, 1974


Auferstanden aus Ruinen

Das Reichspostmuseum war im Krieg bis auf die Umfassungsmauern zerstört worden. Die im Berliner Museum verbliebenen Bestände waren entweder vernichtet oder in den Kellern des Museumsgebäudes verschüttet worden.

Erst 1947 wurde mit der systematischen Ausgrabung der verschütteten Sammlungen begonnen. Von den geborgenen Briefmarken mussten allerdings wiederholt Reparationen an die Sowjetunion geleistet werden. Schmerzlich war auch die angeordnete Abgabe von historischen Fahrzeugmodellen an das Verkehrsmuseum in Dresden und an das Völkerkundemuseum in Leipzig.

Als 1956 in Westberlin ein Postmuseum eröffnet werden sollte, wurden die Arbeiten zur Einrichtung eines Postmuseums der DDR am historischen Standort des Reichspostmuseums intensiviert. 1958 öffnete es seine Pforten mit einer Briefmarkenausstellung auf bescheidenen 275 qm.

 

Kriegszerstörte Außenfassade des Gebäudekomplexes Reichspostmuseum und Generalpostamt in Berlin, 1951. Ansicht der kriegsbedingten Zerstörungen im 1. Obergeschoss des Postmuseums der DDR, 1958.Blick vom 2. Obergeschoß des im Kriegs zerstörten Postmuseums Berlin in den Lichthof mit dem Notdach, 1958.Baumaßnahmen im Obergeschoss des kriegsbeschädigten Postmuseums der DDR, Galeriesaal, 1963.Wechselausstellung "Unserer Freunde - Ungarische Volksrepublik" des Postmuseums der DDR, 1968.Kinder beim Telefonieren an einem öffentlichen Fernsprecher in einer Wechselausstellung des Postmuseums der DDR, 1974.


Vom Bundespostmuseum zum Deutschen Postmuseum

Allerdings ging es dem im gleichen Jahr eröffneten Bundespostmuseum in Frankfurt kaum besser. Untergebracht in einem für Museumszwecke eher ungeeigneten großbürgerlichen Wohnhaus, gelang dessen Ausstellung nicht einmal der Abglanz alter Größe.

Thematisch konzentrierte man sich – auch in der Sammeltätigkeit – auf Posthistorisches: Thurn und Taxis, die Länderposten und die Postkutschenzeit. Erst 1973 begann das Bundespostmuseum, selbst technik- und fernmeldehistorische Objekte zu sammeln.

Mit der Anmietung eines Magazingebäudes wurde überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen, größere Sammlungsbestände und Einzelobjekte unterzubringen. In den folgenden Jahren wuchs die Sammlung erheblich an, vor allem Funk-, Vermittlungs- und Übertragungstechnik wurde hinzuerworben.

 

 Außenansicht des Deutschen PostmuseumsDie Dauerausstellung des Deutschen Postmuseums in Frankfurt am MainDie Dauerausstellung des Deutschen Postmuseums in Frankfurt am MainDie Dauerausstellung des Deutschen Postmuseums in Frankfurt am MainDie Dauerausstellung des Deutschen Postmuseums in Frankfurt am MainDie Dauerausstellung des Deutschen Postmuseums in Frankfurt am Main


Sammeln im Postmuseum der DDR

Dagegen tat sich das konkurrierende Postmuseum der DDR in Berlin schwer mit dem Erwerb solcher Objekte: Da es der Post der DDR an Mitteln für Neuinvestitionen fehlte, wurden die alten Fernmeldeanlagen immer wieder repariert und ausgebessert, wohingegen sie in Westdeutschland ins Museum wanderten. Einzig auf dem Gebiet der Rundfunk-Studiotechnik und der Philatelie kam es zu umfangreichen Erweiterungen der Sammlung.

1981 beschloss das Politbüro, das Reichspostmuseum bis zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 vollständig wiederherzustellen. Die Sammlungsabteilung des Postmuseums der DDR hatte die Aufgabe, die für die riesige Ausstellungsfläche notwendigen Exponate bereitzustellen. In der Praxis bedeutete dies umfangreiche Restaurierungsarbeiten an den immer noch mit dem Staub der Bombentreffer bedeckten Sammlungsschätzen in den Depots.

Allerdings verzögerte sich die Fertigstellung des Gebäudes, sodass 1987 zunächst nur 200 qm Ausstellungsfläche und im weiteren Verlauf des Jahres weitere 1000 qm eröffnet werden konnten. Die Bauarbeiten am übrigen Gebäude wurden erst nach dem Mauerfall abgeschlossen.


1995: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Im Rahmen der Postreform wurden 1995 die Museen der Post von den neu gegründeten Unternehmen Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG abgetrennt und in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt. Dies betraf eine ganze Reihe von Institutionen.

Neben den späteren vier Museen für Kommunikation in Berlin, Frankfurt, Nürnberg und Hamburg gab es eine Reihe weiterer Museen: das Postmuseum Stuttgart, das Mittelrheinische Postmuseum Koblenz und das Westberliner Postmuseum in der Urania. Sie wurden geschlossen, und ihre Bestände gingen in den Sammlungen der Museumsstiftung auf.

Insbesondere das traditionsreiche Stuttgarter Postmuseum mit seinen reichhaltigen Beständen zur württembergischen Postgeschichte war eine große Bereicherung. Daneben gab es jedoch landauf, landab eine ganze Anzahl kleinerer Sammlungen bei Oberpostdirektionen oder größeren Ämtern, etwa in Saarbrücken, Düsseldorf, Münster, Oldenburg, Hannover oder Konstanz. Sie alle fielen in den folgenden Jahren an die Museumsstiftung.

Mit ihren regionalen oder besonderen inhaltlichen Schwerpunkten waren sie eine willkommene Ergänzung und halfen, manche Lücke in den Sammlungen zu schließen. Allerdings gab es vielfache Überschneidungen, sodass nicht sammelwürdige Dubletten und Mehrfachexemplare in großer Zahl abgebaut werden mussten.


Fit für die Zukunft

Im letzten Schritt wurden ab 2003 die Sammlungen der Museen für Kommunikation in Hamburg und Nürnberg aufgelöst und auf Berlin und Frankfurt verteilt. Die Hamburger Sammlung hatte einen besonderen maritimen Schwerpunkt etwa mit einer großen Kollektion zum See- und Schiffsfunk. Das Nürnberger Museum mit seinen wertvollen bayerischen Sammlungen ging zurück auf das Projekt eines „Königlich Bayerischen Verkehrsmuseums“ im Jahre 1902.

Auch die inhaltlichen Schwerpunkte der Sammlungsstandorte Berlin und Frankfurt wurden neu definiert. Um fachliche Kompetenzen und personelle Ressourcen zu bündeln, gibt es in Berlin eine eher postgeschichtliche Ausrichtung, in Frankfurt eine eher telekommunikationshistorische Schwerpunktsetzung.

 

Ehemaliges Depot des Museums für Kommunikation Nürnberg, 2006Ehemaliges Depot des Museums für Kommunikation Nürnberg, 2006Verlagerung des Archives des Museums für Kommunikation Nürnberg nach Frankfurt, 2014Ehemaliges Fahrzeug- und Großexponatedepot in Neubeeren mit HochregalanlageEhemaliges Fahrzeug- und Großexponatedepot in Neubeeren vor der Verlagerung nach Frankfurt, 2003Vitrine in der Dauerausstellung des ehemaligen Museums für Kommunikation Hamburg, um 2005