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Panorama Sammlungskonzept

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Sammlungsgrundsätze & Sammlungskonzept

Jedes Museum braucht ein Konzept für seine Sammlung. Professionelles Sammeln ist nicht das Anhäufen von Objekten – sondern planvolles Vorgehen nach einer inhaltlichen Vorgabe.

Sammlungen sind das Fundament jedes Museums

Die gesammelten Objekte sind Zeugnisse der Vergangenheit, die aber immer wieder unter neuen, aktuellen Fragestellungen zu interpretieren sind. Museen sind deshalb nicht nur Orte der Erinnerung und Geschichte, sondern Orte der Kommunikation, Orte der Auseinandersetzung mit Geschichte, Gegenwart und Zukunft.

Gegenwart und Zukunft als Sammlungskonzept

Kommunikation ist ein Schlüsselbegriff von Gegenwart und Zukunft. Die Kommunikationstechnologien entwickeln sich rasant, und Kommunikation gewinnt in einer immer ausdifferenzierteren und globalisierten Welt zunehmend an Bedeutung. Kulturelle Vielfalt, Vernetzung, interkulturelle Kommunikation und globale Orientierung sind Merkmale des fundamentalen Wandels von der Industrie- zur Kommunikationsgesellschaft. Zentrale Frage ist, wie und womit die materiellen und kulturellen Veränderungen unserer Gegenwart in Sachzeugnissen dokumentiert und unter welchen Fragestellungen sie gesammelt werden.

Nicht nur das Telefon, sondern das Telefonieren ist das Thema des Sammelns

Der Paradigmenwechsel besteht darin, dass nicht nur die Objekte selbst, sondern auch der Umgang, der Gebrauch und die Nutzung von Objekten dokumentiert werden. Im engeren Sinne sind die Objekte der Geschäftsfelder der Unternehmen Post und Telekom zu sammeln, die beispielhaft die Veränderungen der Kommunikationsmedien und das veränderte Kommunikationsverhalten dokumentieren. Im weiteren Sinne sind Objekte und ihre Nutzung zu sammeln, die den raschen Wandel der Kommunikationskultur und die grundlegenden Veränderungen der Technik, des Arbeits- und Lebensalltags und der Kommunikationsmöglichkeiten belegen.

Die Ausstellung ist das Medium der Veröffentlichung

Sammlungen werden nicht um ihrer selbst willen angelegt, sondern mit dem Ziel, Orientierungshilfe mit historischem Hintergrund in Gegenwart und Zukunft zu geben. Die Ausstellung ist das spezifische Medium der Veröffentlichung. Ihre einzigartige Qualität liegt in der Präsenz ihrer gesammelten und ausgestellten Objekte.

Die Sammlung stellt die Objekte für die aktuellen und künftigen Ausstellungen der Museen zur Verfügung

Die Sammlungen der Museumsstiftung sind der Fundus, aus dem die Museen mit ihren Ausstellungen schöpfen. Bei aktuellen Themen werden oft Jahre im Voraus Objekte zusammengetragen, bevor das Thema überhaupt ausgestellt werden kann.

Durch die Sammlung stellen wir Objekte für die Selbstdarstellung der Unternehmen zur Verfügung

Dabei ergänzen wir die Firmenarchive der Unternehmen um eine dingliche Komponente. Viele Objekte werden für Veranstaltungen oder Präsentationen von Deutscher Post AG und Deutscher Telekom AG ausgeliehen. An sie werden hinsichtlich ihres optischen Erscheinungsbildes andere Anforderungen gestellt als bei einer rein musealen Nutzung. Entsprechend werden sie auch anders aufbereitet bzw. restauriert. Um in Zukunft die Geschichte von Deutscher Post AG und Deutscher Telekom AG darstellen zu können, werden jetzt Objekte aus der heute aktuellen Geschäftstätigkeit aufbewahrt, um in Zukunft die Entwicklung beider Konzerne anschaulich darstellen zu können – auch intern innerhalb der Unternehmen.

Die Sammlungen der Museumsstiftung bewahren das reichhaltige Erbe des Reichspostmuseums und seiner Nachfolgeinstitutionen, ohne deren Sammlungskonzepte fortzuführen

Historisch knüpfen die Sammlungen der Museumsstiftung an die Gründung des Reichspostmuseums durch Heinrich von Stephan im Jahre 1872 an. Daher spiegeln sie die Sammlungsgeschichte der Vorgängerinstitutionen wider, wobei die zahlreichen aufgelösten regionalen Museen und Sammlungen (Stuttgart, Koblenz, Konstanz, Hannover, Münster, Saarbrücken etc.) in den heutigen Beständen ebenfalls ihre Spuren hinterlassen haben.

Bei der Ergänzung unserer Sammlungsbestände streben wir keine Vollständigkeit an

In der Zeit vor Stiftungsgründung bestand das Ziel in einer möglichst lückenlosen Dokumentation der Entwicklung der Nachrichtenübermittlung bzw. -technik. Diese Strategie – als Monopolanbieter repräsentierte die Post stets auch das gesamte Angebot – hat dazu geführt, dass die Sammlungen der Museumsstiftung sich durch eine besondere Dichte und Qualität auszeichnen. Jedoch wurde das Ziel, die im Bereich der Unternehmen eingesetzten technischen Einrichtungen komplett zu sammeln und zu archivieren, aus Kapazitätsgründen schon in der Vergangenheit kaum je wirklich eingelöst. Die Diversifikation in den Tätigkeitsfeldern der Unternehmen Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG und deren zunehmend internationale Ausrichtung lassen es heute praktisch obsolet erscheinen.

Beim Erwerb konzentrieren wir uns auf besonders typische und besonders herausragende Objekte

Für die Zukunft orientieren sich die Häuser an der realistischen Aufgabe einer nur noch exemplarischen Dokumentation anhand charakteristischer Vertreter. Dies gilt sowohl für die Ergänzung der historischen Bestände durch aussagekräftige historische Einzelstücke wie auch für die Sammlung aktueller Objekte aus der gegenwärtigen Nutzung. Diese „Leitfossilien“ werden ergänzt durch „Meilensteine“, besondere und seltene Objekte, die im Kontrast zum Alltäglichen Unterschiede erfahrbar machen oder die eine wichtige Zäsur verdeutlichen – das erste Telefon, das erste Handy, das letzte Telegramm.

Wir sammeln Objekte, die Geschichten erzählen können

Der Zeugnischarakter eines Sammlungsobjektes ist wesentliches Auswahlkriterium. Dabei kommt der individuellen Objektgeschichte eines jeden Gegenstandes ein hoher Stellenwert zu. Alle Exponate können gewissermaßen ihre „Geschichten erzählen“, deren Summe sich zum facettenreichen Mosaik der historischen Abläufe zusammensetzt. Hierbei treten sozial-, wirtschafts-, politik- und kulturgeschichtliche Aspekte neben technik- und betriebsgeschichtliche Informationen. Das Objekt als Materialisierung von Geschichte(n) wird in die Objekt- und Sachkultur eingebettet, die von der reinen Objektgeschichte bis hin zu einem größeren historischen Umfeld führt.

Sammeln ist nicht das eigentliche Ziel, sondern Mittel zu einem übergeordneten Zweck

Durch die neuen Medien, Darstellungs- und Vermittlungsformen im Museum ergibt sich die Notwendigkeit, Sammeln in unseren Museen nicht in erster Linie als Aufbewahren von materiellen Hinterlassenschaften zu begreifen, sondern als Dokumentieren von Nutzungs- und Produktionszusammenhängen. Damit ist nicht nur das seit Langem praktizierte Festhalten von Informationen zu bestimmten Sammlungsobjekten gemeint, sondern auch die Frage, wie bestimmte, auch abstrakte und schwer visualisierbar und erfahrbar zu machende Phänomene mit konkreten Dingen dokumentiert und dargestellt werden können.

Wir bemühen uns um eine strenge Selektion bei der Auswahl unserer Objekte

Als Museum stehen wir in einer Zeit mit rasant abnehmenden Halbwertszeiten der Produkte; nie zuvor ist so viel erfunden, gestaltet, produziert und transportiert worden. Eine Fülle von neuen Waren, von Innovationen und Scheininnovationen überschwemmt den Markt, Produktionsprozesse ändern sich permanent. Der Kauf anderer Unternehmen, die Gründung von Tochterfirmen, Umbenennungen und Umstrukturierungen kennzeichnen auch die Unternehmen Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG. Diese Prozesse hinterlassen eine Flut potenziell sammelbarer Gegenstände. Aber unser Prinzip ist nicht das der Arche Noah: ein jedes von seiner Art. Vielmehr selektieren wir streng nach dem bleibenden Wert für die Zukunft der Sammlung.

Wir sammeln für die Generation von übermorgen

Mit unseren Objekten wollen wir einen Link von den Objekten der Vergangenheit zu den Fragestellungen der Zukunft finden. Daher sammeln wir nicht nur mit dem Blick von heute für die Ausstellungen von morgen, sondern denken bei unseren Sammlungskriterien auch an die Interessen und Fragen der nächsten Generation. Für unsere künftigen Nutzer müssen wir Kriterien in der Gegenwart finden, die für die Zukunft brauchbar sind. Dabei interessieren heute und auch in Zukunft vor allem zwei Faktoren: Die exotische Anmutung, also das Unbekannte und Kuriose einerseits, und die historische Veränderung, die innovative Entwicklung, die historische Zäsur anderseits. Daher möchten wir die Wandlungen, Brüche und Entwicklungen in der Gegenwart und unmittelbaren Vergangenheit aufspüren und jetzt die sie illustrierenden und dokumentierenden Objekte sammeln.