Sammlungsgeschichte Reichspostmuseum Berlin
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Vom Reichspostmuseum zu den Museen für Kommunikation

Die Sammlungsgeschichte der Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Die Sammlungen der Museumsstiftung blicken auf eine über 130-jährige Tradition zurück. Dank der in dieser Zeit zusammengetragenen Objekte besitzen wir heute die größte und reichhaltigste Sammlung zum Thema „Kommunikation“ der Welt. Die oft einzigartigen Schätze wurden unter manchmal schwierigen Bedingungen bewahrt, damit auch künftige Generationen einen authentischen Eindruck von der Kommunikation in der Vergangenheit gewinnen können.


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Heinrich-von-Stephan
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Heinrich von Stephan und das Reichspostmuseum

Das älteste Postmuseum der Welt

Das 1872 durch den Generalpostmeister des Deutschen Reichs Heinrich von Stephan gegründete Reichspostmuseum war eines der modernsten Museen seiner Zeit. Jahrzehnte etwa vor Gründung des Deutschen Museums in München war es eines der ersten technikhistorischen Museen der Welt.

Das Reichspostmuseums hatte einen umfassenden Sammlungsanspruch: „(Ein) … Post- und Telegraphenmuseum, dessen Zweck dahin geht: die Entwicklung des Verkehrswesens von den Völkern des Altertums beginnend bis zur neuesten Zeit kulturgeschichtlich zu veranschaulichen (…). Zur Erreichung dieses Zieles sammelt es zunächst die bei der Post und Telegraphie gebräuchlichen Gegenstände, Apparate und Modelle; sodann aber auch bildliche Darstellungen (…) und sonstige Erzeugnisse, die sich auf das Schrifttum, das Nachrichtenwesen und die Beförderungseinrichtungen aller Zeiten und Völker beziehen.“

Entsprechend umfangreich und wertvoll war die daraufhin in Jahrzehnten zusammengetragene Sammlung. Sie beschränkte sich nicht nur auf historische Objekte, vielmehr nutzte die Reichspost das Museum, um die jeweils neuesten Technologien zu präsentieren: Luftpost, Funk, Bildtelegrafie und Fernsehen.


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Verwüsteter Ausstellungsraum im Reichspostmuseum, 1947
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Der Zweite Weltkrieg

Schwere Kriegsschäden nach Luftangriffen und Häuserkämpfen

Zu Kriegsbeginn 1939 wurde das Reichspostmuseum geschlossen. Wegen der Bombengefahr wurde ein Teil der Ausstellungsstücke im Keller des Museums untergebracht, die wertvollsten Teile der Sammlungen wurden 1943 ausgelagert. Der größte Teil der ausgelagerten Objekte ging nach Schloss Waltershausen bei Mellrichstadt, das von der Reichspost als Erholungsheim genutzt wurde. Rund die Hälfte der Sammlung verblieb allerdings im Berliner Museumsgebäude.

In den Luftangriffen auf Berlin ab 1943 wurde das Reichspostmuseum schwer beschädigt, ein Übriges taten die heftigen Häuserkämpfe im April/Mai 1945. Zahlreiche der im Haus verbliebenen Sammlungsobjekte wurden vernichtet, ein Teil in den Kellern des Museums verschüttet.


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Kisten mit Sammlungsgut in einem Lagerraum des Central Collecting Point Wiesbaden im Jahre 1947
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Kriegsverluste

Gößter Verlust: der Raub des kostbaren Mauritius-Tableaus

Die kostbarsten Stücke der Briefmarkensammlung – die Schausammlung und der Wandtresor mit der blauen Mauritius – brachte man im Februar/März 1945 nach Eisleben. Dort wurden sie von den einrückenden Amerikanern in zwei Bergwerksschächten beschlagnahmt und in die Westzonen gebracht, bevor sie Thüringen an die sowjetische Besatzungsmacht übergeben mussten.

1949 erhielt die Deutsche Post 232 Kisten mit Briefmarkenbeständen, 41 Postsäcke mit den Büchern der Berliner philatelistischen Bibliothek und 15 Kisten mit Porzellan- bzw. Gipsfiguren zurück. Aber die Sammlung war geplündert worden: 2039 Briefmarken aus 35 Ländern – jeweils die größten philatelistischen Kostbarkeiten – fehlten.

Der größte Verlust war der Raub des Mauritius-Tableaus aus dem Berliner Wandtresor. Es blieb verschollen, bis im Jahre 1976 ein gewisser Daniel E. Sweeney die Marken auf einer Briefmarkenmesse zum Kauf anbot. Der amerikanische Zoll nahm die Marken in Gewahrsam, als sich herausstellte, dass Sweeney, der damals im Range eines 1st Lieutenant bei der US-Army diente, genau jener Offizier war, der den Abtransport der Briefmarken aus dem Eislebener Bergwerk durchgeführt hatte. Da auch die DDR Anspruch auf die Marken erhob, kehrten die Blaue Mauritius und die übrigen sieben Marken erst 1990 – nach der deutschen Wiedervereinigung – in das Archiv für Philatelie zurück.


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Bundespostmuseum am Frankfurter Schaumainkai, 1960er Jahre
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Neuanfang im Westen

Eröffnung des Bundespostmuseums in Frankfurt am Main

Was von den Sammlungsobjekten nicht in Berlin geblieben war, ging im Juli/August 1943 in mehreren Transporten nach Schloss Waltershausen bei Mellrichstadt. Nach Kriegsende war die amerikanischen Militärregierung für Bayern für Schloss und Bestände verantwortlich.

Vergeblich versuchte die Zentralverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen in der sowjetischen Besatzungszone, in deren Sektor sich nun das ehemalige Reichspostmuseum befand, die Sammlung zurückzuerhalten. Stattdessen wurden die Objekte 1947 an die Deutsche Post (West) übergeben, die in Schloss Walterhausen eine „Postarchiv“ genannte Dienststelle einrichtete. Das „Postarchiv“ zog 1951 von Waltershausen nach Frankfurt um, und so wurden die geretteten Bestände des Reichspostmuseums zur Keimzelle des 1958 eröffneten Bundespostmuseums.


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Außenansicht des Ministeriums für Post- und Fernmeldewesen der DDR mit dem Postmuseum der DDR, 1957
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Auferstanden aus Ruinen

Das Postmuseum der DDR

Das Reichspostmuseum war im Krieg bis auf die Umfassungsmauern zerstört worden. Die im Berliner Museum verbliebenen Bestände waren entweder vernichtet oder in den Kellern des Museumsgebäudes verschüttet worden.

Erst 1947 wurde mit der systematischen Ausgrabung der verschütteten Sammlungen begonnen. Von den geborgenen Briefmarken mussten allerdings wiederholt Reparationen an die Sowjetunion geleistet werden. Schmerzlich war auch die angeordnete Abgabe von historischen Fahrzeugmodellen an das Verkehrsmuseum in Dresden und an das Völkerkundemuseum in Leipzig.

Als 1956 in Westberlin ein Postmuseum eröffnet werden sollte, wurden die Arbeiten zur Einrichtung eines Postmuseums der DDR am historischen Standort des Reichspostmuseums intensiviert. 1958 öffnete es seine Pforten mit einer Briefmarkenausstellung auf bescheidenen 275 qm.


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Deutsches Postmuseum in Franfkurt am Main
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Vom Bundespostmuseum zum Deutschen Postmuseum

Preisgekrönter Neubau am Schaumainkai in Frankfurt am Main

Das Frankfurter Bundespostmuseum durchlief zur selben Zeit einen ähnlichen Prozess: Die räumlichen Verhältnisse in dem als Museum genutzten Villengebäude waren ebenso untragbar geworden wie die thematische Ausrichtung der völlig veralteten Ausstellung. 1990 erhielt des Museum einen preisgekrönten Neubau des Stuttgarter Architekten Günter Behnisch.

In der Vorbereitung der Ausstellung bekam die Sammlungsabteilung großzügig Mittel zum Erwerb neuer Exponate, mit denen insbesondere Lücken im Bereich der drahtlosen Telegrafie und der Radiosammlung geschlossen wurden. Gleichzeitig fanden auch umfangreiche Restaurierungsarbeiten statt – auch an den nicht für die Ausstellung bestimmten Objekten.

Die größten Zuwächse verzeichnete die Kunstsammlung: Zur Zeit des Bundespostmuseums wurden bevorzugt einschlägige Motive aus der Genremalerei des 19. Jahrhunderts erwoben: Postillione, Postkutschen und Briefszenen. Nun jedoch stand die Reflektion des Themas „Kommunikation“ in der Kunst im Mittelpunkt, und mit erheblichem Mitteleinsatz wurden herausragende Arbeiten aus der klassischen Moderne und der Kunst nach 1945 erworben.


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Besucher der Wechslausstellung Das sozialistische Post- und Fernmeldewesen berichtet zum 30. Jahrestag der DDR im Postmuseum der DDR, 1979
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Sammeln im Postmuseum der DDR

Verzögerte Restaurierung des Reichspostmuseums

Dagegen tat sich das konkurrierende Postmuseum der DDR in Berlin schwer mit dem Erwerb solcher Objekte: Da es der Post der DDR an Mitteln für Neuinvestitionen fehlte, wurden die alten Fernmeldeanlagen immer wieder repariert und ausgebessert, wohingegen sie in Westdeutschland ins Museum wanderten. Einzig auf dem Gebiet der Rundfunk-Studiotechnik und der Philatelie kam es zu umfangreichen Erweiterungen der Sammlung.

1981 beschloss das Politbüro, das Reichspostmuseum bis zur 750-Jahr-Feier Berlins im Jahre 1987 vollständig wiederherzustellen. Die Sammlungsabteilung des Postmuseums der DDR hatte die Aufgabe, die für die riesige Ausstellungsfläche notwendigen Exponate bereitzustellen. In der Praxis bedeutete dies umfangreiche Restaurierungsarbeiten an den immer noch mit dem Staub der Bombentreffer bedeckten Sammlungsschätzen in den Depots.

Allerdings verzögerte sich die Fertigstellung des Gebäudes, sodass 1987 zunächst nur 200 qm Ausstellungsfläche und im weiteren Verlauf des Jahres weitere 1000 qm eröffnet werden konnten. Die Bauarbeiten am übrigen Gebäude wurden erst nach dem Mauerfall abgeschlossen.


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Logo Museumsstiftung Post und Telekommunikation
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1995: Museumsstiftung Post und Telekommunikation

Gründung einer Stiftung öffentlichen Rechts

Im Rahmen der Postreform wurden 1995 die Museen der Post von den neu gegründeten Unternehmen Deutsche Post AG und Deutsche Telekom AG abgetrennt und in eine Stiftung öffentlichen Rechts umgewandelt. Dies betraf eine ganze Reihe von Institutionen.

Neben den späteren vier Museen für Kommunikation in Berlin, Frankfurt, Nürnberg und Hamburg gab es eine Reihe weiterer Museen: das Postmuseum Stuttgart, das Mittelrheinische Postmuseum Koblenz und das Westberliner Postmuseum in der Urania. Sie wurden geschlossen, und ihre Bestände gingen in den Sammlungen der Museumsstiftung auf.

Insbesondere das traditionsreiche Stuttgarter Postmuseum mit seinen reichhaltigen Beständen zur württembergischen Postgeschichte war eine große Bereicherung. Daneben gab es jedoch landauf, landab eine ganze Anzahl kleinerer Sammlungen bei Oberpostdirektionen oder größeren Ämtern, etwa in Saarbrücken, Düsseldorf, Münster, Oldenburg, Hannover oder Konstanz. Sie alle fielen in den folgenden Jahren an die Museumsstiftung.

Mit ihren regionalen oder besonderen inhaltlichen Schwerpunkten waren sie eine willkommene Ergänzung und halfen, manche Lücke in den Sammlungen zu schließen. Allerdings gab es vielfache Überschneidungen, sodass nicht sammelwürdige Dubletten und Mehrfachexemplare in großer Zahl abgebaut werden mussten.


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Blick ins Depot Berlin
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Fit für die Zukunft

Bündelung der Sammlungen und fachlichen Kompetenzen in Berlin und Frankfurt

Im letzten Schritt wurden ab 2003 die Sammlungen der Museen für Kommunikation in Hamburg und Nürnberg aufgelöst und auf Berlin und Frankfurt verteilt. Die Hamburger Sammlung hatte einen besonderen maritimen Schwerpunkt etwa mit einer großen Kollektion zum See- und Schiffsfunk. Das Nürnberger Museum mit seinen wertvollen bayerischen Sammlungen ging zurück auf das Projekt eines „Königlich Bayerischen Verkehrsmuseums“ im Jahre 1902.

Auch die inhaltlichen Schwerpunkte der Sammlungsstandorte Berlin und Frankfurt wurden neu definiert. Um fachliche Kompetenzen und personelle Ressourcen zu bündeln, gibt es in Berlin eine eher postgeschichtliche Ausrichtung, in Frankfurt eine eher telekommunikationshistorische Schwerpunktsetzung.


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